Jagdreiten

Home

Jagdgesellschaft

Die Schleppjagd in Deutschland heute verläuft unblutig. Jagen auf lebendes Wild ist bereits seit den 30er Jahren gesetzlich verboten. Stattdessen laufen die Hunde auf einer künstlichen Fährte, dem "Scent", und werden am Ende mit einem Stück Pansen bei der feierlichen "Curée" nach dem "Halali" belohnt. Die Schleppe wurde früher gelegt mit Hilfe eines in Fuchslosung getränkten Schwammes oder einer mit einem Balg gefüllten Drahtkugel, die der Schleppenleger zu Pferd an einer Schnur hinter sich herzog. Heute hat der Schleppenleger einen Tropfkanister am Sattel festgeschnallt und legt so die Fährten im Gelände. Je naturnaher das gelingt, desto authentischer ist das Jagderlebnis. Die Reiter folgen den Hunden, um deren Sucharbeit mitzuerleben. Fuchslosung wird immer noch verwendet, aber manche Meuten ziehen Heringslake oder Anislösung vor. Einige Meuten jagen auch auf Trittsiegel eines bestimmten Pferdes ("clean boot").

Tradition und Bräuche
Schleppjagd heute ist Sport und Freizeitvergnügen, aber auch die Pflege von Traditionen und altem Kulturgut. Der Hintergrund der Schleppjagd in Deutschland ist international geprägt und das schon lange vor dem Jagdverbot von 1934 . Man folgt englischen Traditionen und französischen Zeremonien und Musik-Signalen, die aus der Hirsch- und der Parforcejagd des Mittelalters stammen. Ein Teil des Brauchtums ist auch aus der grünen Jagd entlehnt. So erhalten die Teilnehmer einer Jagd im Anschluss an den Ritt und nach der Belohnung der Hunde vom Jagdherrn oder seiner Dame einen "Bruch" als Andenken überreicht. Vor dem Hubertustag (3.November) besteht er aus einem Eichenzweig, danach aus Fichte. Jedes, auch manches heute unverständlich oder überflüssig erscheinende Detail, lässt sich aus der Jahrhunderte währenden Geschichte der Jagd erklären. Der rote Rock ist nicht Angeberei oder Karnevals-Relikt, sondern diente dazu, die Jagdteilnehmer im Wald oder im Nebel besser sichtbar zu machen. Das aufwändig gebundene Plastron konnte früher im Bedarfsfall gleich als Bandage für Verletzungen bei Reiter oder Pferd genutzt werden. Die "Curee", bei der die Hunde abschließend mit Rinderpansen belohnt werden, ist keine Fütterung, sondern symbolisiert den Anteil, den die Hunde bei der Jagd auf lebendes Wild bekamen. 

Bruch nach der Jagd

Die Jagdreiterei in Deutschland hat ihre Grundlagen spätestens seit der Wende zum vorigen Jahrhundert eher in der Ausbildung von Pferden für die Kavallerie als in der Erlegung von Wild. In England reitet man, um zu jagen. In Deutschland wird schon lange gejagt, um zu reiten. Pferde und Reiter, die unerschrocken über Stock und Stein den Hunden nachsetzen, waren auch tüchtig in der Schlacht. "In schnellem Tempo denken und handeln", war das Motto der Kavallerieschule Hannover. Dieses Kapitel ist inzwischen abgeschlossen. Was davon jetzt noch bleibt, ist ein harmonisches Zusammenspiel von Mensch, Tier und Umwelt - heute zeitgemäßer und wichtiger denn je.

Gerade in einem hochentwickelten Industrieland wie Deutschland wird es immer schwieriger eine Balance zwischen Mensch, Tier und Umwelt zu erhalten. Viele Interessengruppen bewerben sich um den zunehmend knapper werdenden Raum für Sport und Freizeitgestaltung. Vor diesem Hintergrund ist die "Schwarzensteiner Erklärung" von besonderer Bedeutung. Am 10. Juli 2002 formulierten Vertreter aus den Bereichen der "Grünen Jagd", Tierschutz, Naturschutz und öffentlicher Verwaltung unter Schirmherrschaft der Landrätin des Kreises Wesel, Frau Birgit Amend-Glatschnig, auf Haus Schwarzenstein bei Wesel die folgende "Schwarzensteiner Erklärung":
Das Jagdreiten als traditioneller Ausdruck des kultivierten Geländereitens bedeutet kein besonderes Störungspotential für Flora und Fauna.
Schleppjagden sind eine geordnete Art der Naturnutzung durch Reiter, Pferde und Hunde unter Berücksichtigung des Tierschutzgedankens.
Die Veranstaltung von Schleppjagden erfordert den Dialog zwischen allen Beteiligten und Betroffenen , wie zum Beispiel Grundeigentümern, Jagdausübungsberechtigten, öffentliche Verwaltung sowie aus den Bereichen Naturschutz und Tierschutz. Dabei gilt besonderes Augenmerk den Belangen des Naturschutzes, wie zum Beispiel: -eine Lebensraum angepasste Strecke; -Beachtung spezifischer Jahreszeiten; -Beachtung von Störempfindlichkeit der vor Ort frei lebenden Tierwelt.
Sofern diese Anforderungen erfüllt sind, stellt die in Deutschland traditionell ausgeübte Schleppjagd einen Gewinn für das Gemeinwohl dar.

Das ein mal eins des Jagdreitens

 An einer Reitjagd sollte nur der teilnehmen, wer vom Veranstalter schriftlich (in Ausnahmefällen mündlich)

 eingeladen wird.

Bei der Einladung liegt eine Antwortkarte, die man in jedem Fall ausgefüllt zurücksendet. Die Planung einer Reitjagd

 hängt von der Zahl der Gäste ab. Hat man zugesagt, ist jedes Wetter “Reitjagd-Wetter”

Clubs und Vereine investieren viel Zeit und Geld, um es den geladenen Jagdreitern, also ihren Gästen, erlebnisreich

 zu machen. Das sollte jeder geladene Gast bedenken.

Die Vorbereitung auf eine Jagd beginnt mit dem Training des Pferdes. Das eigene Pferd sollte durch gezielte

Dressurarbeit durchlässig gemacht werden. Das Geländetraining muss so aufgebaut sein, wie der Schwierigkeitsgrad es erfordert aufgrund der Jagdeinladung.

Es ist Tierquälerei, von einem zu jungen, zu alten, zu heftigen, zu untrainiertem Pferd eine Jagdbeteiligung zu

 verlangen.

Für jeden eingeladenen Reiter sind drei gleiche Bedingungen zu beachten: fit, fröhlich und fair zu sein.

Geht man ins Theater oder ins Konzert, so kleidet man sich entsprechend des Anlasses. Reitet man eine Jagd, so

 gelten gleiche gesellschaftliche Bedingungen.

 

Hier die Ausrüstung für das Pferd:

Vielseitigkeits- oder Springsattel; rutschfeste, weiche und gepflegte Sattelunterlage; einwandfreie, stabile Steigbügelriemen; große, schwere Steigbügel mit Gummieinlagen; Vorderzeug bei schlechter Sattellage; Trensenzaum, Pelhamzaum, oder Springkandare; alsHilfszügel nur Martingal und nur zum Trensenzaum. Zur Sicherheit müssen alle Teile überprüft werden.

Ist ein Pferd mit oben genannter Ausrüstung nicht zu halten während des Trainings, sollte man aus Sicherheit für sich und andere auf die Jagd verzichten. Ein Kampf mit dem Pferd ist kein Jagdvergnügen.

Jeder Reiter soll seinen Anzug nach traditionellen Merkmalen wählen:

Reitkappe oder Melone mit sturzfester Einlage; schwarze, blaue, grüne, braune oder karierte Reitjacke; weiße oder gelbe Hose; schwarze evtl. braune (wenn zur Jacke passend) Reitstiefel; weiße oder gelbe Handschuhe; Plastron (Jagdschal); keine Krawatte; Reitstock oder Gerte bis 80 cm.

Die rote Reitjacke trägt nur der erfahrene Jagdreiter und nur mit Jagdstiefeln, d.h. schwarz mit rotbrauner Stulpe.

Auf Schmuck sollte völlig verzichtet werden. Langes Haar wird mit einem Haarnetz abgefangen oder hinten gebunden. Eine Reitjagd ist keine Modenschau. Auffallen soll man nur durch gutes Reiten.

Kein Reitanfänger darf sich an einer Reitjagd beteiligen, weil sie mit einer harten reiterlichen Geländeprüfung

 gleichgesetzt werden kann.

Leider werden selbstverständliche “Benimmregeln” oft wenig beachtet oder falsch angewandt.

Mit der Einladung und Zusage unterwirft sich jeder den Anordnungen des Gastgebers

 

Nur wer seinen Transporter richtig abstellt ermöglicht anderen Reiterfreunden gleiche Parkbedingungen.

Beim Eintreffen am Stelldichein begrüßt man den Jagdherren, zahlt seinen Jagdbeitrag und schreibt sich in das bereitliegende Jagdbuch mit vollem Namen ein; anschließend Begrüßung und Vorstellung beim Feldmaster.

Ohne sich und sein Pferd zu verausgaben, reitet sich jeder sein Pferd ruhig in die Hand

(galoppiert wird während der Jagd genug). Pferde, die schlagen, erhalten eine rote Schleife im Schweif.

Piköre werden vom Master vor Jagdbeginn vorgestellt, ihren Anweisungen ist unbedingt Folge zu leisten,

sie haben für einen reibungslosen geordneten Jagdablauf zu sorgen.

Querulanten und Besserwisser gehören zu den unbeliebten Gästen.

Eine längere Schrittstrecke bis zum Aufgalopp ist jagdgerecht und zu empfehlen.

Reite nie im falschen Feld. Überschätzung des Könnens von Reiter und Pferd bedeuten ein erhöhtes,

nicht kalkulierbares Risiko.

Seinen Platz vom Aufgalopp gibt man während der ganzen Jagd nicht mehr auf. So trägt man zu einem geordneten,

 sicheren Jagdverlauf bei.

Traditionell ist auch der Stopp, als Erholung für Pferd und Reiter. Der gelockerte Gurt,

die übergelegte Abschwitzdecke und die Kontrolle des Beschlages sind selbstverständlich und ein Dank an ihr Pferd.

Unter allen Umständen wird ein Pferd während der Jagd schonend, rücksichtsvoll und fair geritten.

 

Vermieden werden müssen Überreiten, Schrägspringen und Anhalten im Jagdfeld.

Wunderschön, stimmungsvoll und feierlich ist der Abschluss einer Jagd – das Halali. Beim Abblasen der Jagd wird gegrüßt, der rechte Handschuh ausgezogen, abgesessen, der Sattelgurt gelockert und der Bruch zu Fuß abgeholt. Bei Schleppjagden zieht der Reiter seine Kopfbedeckung, sobald die Hunde das Curée erhalten. Es ist der Dank an die Meute.

Zurückgekommen im Stall ist das Pferd mit größter Gewissenhaftigkeit zu versorgen, bevor man an sich selbst denkt.

 

Feldeinteilungen

An einem Jagdfeld sollten sich nicht mehr als 25 Reiter beteiligen.

1. Feld muss springen

2. Feld kann springen

(Bei großer Jagdbeteiligung sollte aufgrund der Unfallgefahr in ein Springer- und Nichtspringerfeld unterteilt werden.)

3. Feld springt nicht

4. Feld für Kleinpferde

5. Feld könnte als Jugendfeld eingeführt werden.

 

Armbinden

Armbinden werden am linken Oberarm mit folgenden Farben getragen und vom Veranstalter gestellt:

 

Jagdherr: weiß-schwarz-weiß

 

Jagdleiter: weiß

 

Feldmaster: rot-weiß

 

Feldpikör: grün-weiß

 

Schlußpikör: grün

 

 

Das ABC der Fachausdrücke

 

Abblasen = Ende einer Jagd

 

Aufgalopp = Anreiten einer Jagd

 

Beagle (engl.) = Laufhund, vorwiegend für Schleppjagden

 

Canter = ruhiger, aber frischer Galopp im Jagdfeld

 

Curée = Belohnung der Meute nach der Jagd; meistens Pansen

 

Equipage = Jagdreiter, die zur Meute gehören

 

Fürst Pless- Horn = kleines Jagdhorn

 

Foxhound (engl.) = Fuchshund, wird im Meuteverband nur für

                                  Schleppjagden verwendet.

 

Geläute = Laute der Meutehunde

 

Halali = Jagdende, wird durch die Jagdhornbläser verblasen

 

Hetzjagd = Reitjagd hinter lebendem Wild

 

Hetzpeitsche = lange Hundepeitsche des Huntsman;

                          für den Umgang mit den Hunden notwendig

Horridoh = Stelldichein, Beginn einer Reitjagd

 

Horseman = Reiter

 

Hubertus = Schutzpatron der Jäger und Reiter

                    (3. November Hubertustag)

 

Hunter = durch seine Kreuzung ein besonders gutes Jagdpferd

                 aus Irland

 

Huntsman (engl.) = führt die Meute, bildet diese aus;

                                  in Frankreich und England noch heute ein

                                  Beruf

 

Jagdarmbinden = Kennzeichnung von Jagdherrn,

                               Mastern und Pikören

 

Jagdfrei = Kommando des Master, wenn er selbst stürzt,

                  weil man sonst nicht vorbeireiten darf und die Reitjagd

                  unterbrochen wäre

 

Jagdgalopp = freier, raumgreifender Galopp im Jagdfeld

 

 Jagdgeld = Unkostenbeitrag des Jagdteilnehmers

 

Jagdgericht = beim Jagdball wird meistens aus Pikören und

                        Mastern bestehend ein Jagdgericht gebildet, um

                        Verstöße gegen die Jagdordnung in humorvoller

                        Art zu ahnden.

 

Jagdherr = Gastgeber, Veranstalter

 

Jagdhindernis = immer fest gebaut, nicht über 90 cm hoch, der

                             Geländeform angepasst

 

Jagdsignale = Verständigung der Reiter.

                        Begrüßung, Aufsitzen, Aufbruch zur Jagd,

                        Gute Jagd, Kleines Halali,

                        Großes Halali

                        (nur auf dem Parforce – und Ventilhorn zu blasen),

                        Absitzen, Jagd vorbei, Fuchstod, Hunderuf, Sautod,

                        Hirschtod

 

Jagdstock = Peitsche bis 80 cm lang, mit Krücke zum Öffnen und

                      Schließen der Gattertore

 

Jagdzeit = Herbst bis Winteranfang, im Ausland bis Februar

 

Kennel (engl.) = Zwinger der Meutehunde

 

Koppel = zwei Jagdhunde bei einer Meute sind

                 zusammengekoppelt, der erfahrene Hund lernt den

                 jungen an

 

Master = führt ein Jagdfeld, auch Jagdleiter

 

Pack = andere Bezeichnung für Meute

 

Parforcehorn = großes Jagdhorn

 

Parforce-Jagd = mit Meute auf lebendes Wild, Hirsch, Fuchs, Reh

                             (in Deutschland verboten)

 

Plastron = Jagdschal aus Baumwolle

 

Pikör (franz.) = Hilfe für den Master bei der Feldführung oder

                            hilft dem Huntsman bei der Führung der Meute

 

Schleppe = künstliche Wildspur, die gelegt wird, meistens

 

Fuchslosung Schleppjagd = Reitjagd hinter der Meute

 

Stopp = Ruhepause für Pferd und Reiter

 

Strichreiten = Pflicht des Jagdreiters, geradeaus zu reiten